Die zehn schlimmsten Killersätze (mit Gegenrezepten) – Teil 2

Killersätze sollen Diskussionen beenden, ein- für allemal. Meist bewirken sie das Gegenteil: Nach einem kurzen Moment der Fassungslosigkeit geht der Streit erst richtig los. Die zehn explosivsten Beispiele, mit Tipps zur Entschärfung.

  1. Habe ich mich klar ausgedrückt?

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Basta.

Was der Gesprächskiller übersieht: Wer fragt, ob er sich klar ausgedrückt hat, will nicht Klarheit schaffen, sondern Widerspruch ersticken. Der Widerspruch mag im ersten Moment tatsächlich ausbleiben. In der Folgezeit aber werden die Widersacher die aufgezwungenen Vorgaben subtil und wirkungsvoll sabotieren.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich erläutern, was nachvollziehbar ist und wo es noch offene Fragen oder Widersprüchlichkeiten gibt. Um Rat oder Anweisung bitten, wie mit diesen Fragen und Widersprüchlichkeiten verfahren werden soll. Rat oder Anweisung genau befolgen und den Verlauf dokumentieren.

  1. Warum kapierst du das nicht?

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Gib endlich zu, dass ich recht habe!

Was der Gesprächskiller übersieht: Möglicherweise hat das Gegenüber längst kapiert, worum es geht, mag aber nicht zustimmen. Es gibt einen Unterschied zwischen Verständnis und Zustimmung.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann ausdrücklich Verständnis für die Gegenposition zeigen, die eigene Ansicht erläutern und das Festhalten an der eigenen Meinung begründen, immer mit Ich-Botschaften (“ich sehe das so”, “meiner Meinung nach”, …)

  1. Jetzt mal schön sachlich bleiben.

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Ich will nichts von meinen persönlichen Sorgen, Ängsten und Nöten erzählen und schon gar nicht von deinen hören.

Was der Gesprächskiller übersieht: Ein Streit eskaliert, wenn es im Kern um unausgesprochene Empfindlichkeiten, Ängste und Verletzungen geht. Der Appell, sachlich zu bleiben, bewirkt nur noch mehr Empörung. Die eigene Not findet weder Kenntnisnahme noch Verständnis.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann den eigenen Standpunkt erläutern: Für mich sieht die Sache so aus, … Ich befürchte, dass … Für mich wäre es wichtig, dass …

  1. Das habe ich doch gar nicht so gemeint.

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Verdammt, erwischt. Wie komme ich da jetzt wieder raus?

Was der Gesprächskiller übersieht: Ein ehrliches Bekenntnis zu einem Fehler kommt besser an als Herumeiern. Ausflüchte und nachträglich erdachte Verteidigungslinien verstärken beim Gegenüber nur das zutreffende Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich nachfragen: Was hast du tatsächlich gemeint? Wie siehst du unsere (Arbeits-)Beziehung? Was wünschst du dir von mir? Und umgekehrt mit Ich-Botschaften die eigenen Vorstellungen formulieren: Ich sehe das so, … Ich brauche für mich … Ich wünsche mir von dir, …

  1. Du machst sowieso immer nur Ärger.

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass ich jemals mit dir auskommen oder mit dir zufrieden sein werde.

Was der Gesprächskiller übersieht: Niemand geht morgens aus dem Haus mit der Überlegung, wie er andere Menschen ärgern und Probleme machen kann. Jeder handelt nach den Strategien, die ihm aus seinem Erleben und seinen Erfahrungen heraus am erfolgreichsten erscheinen – auch wenn das für andere im ersten Moment nicht nachvollziehbar sein mag.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich nachfragen: Was genau ärgert dich? War das immer so? Wann hat sich das geändert? Dann die eigene Sichtweise erläutern und die eigenen Wünsche formulieren. Gemeinsamkeiten finden oder künftig getrennte Wege gehen.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit Killersätzen gemacht? Freue mich auf Nachricht an info (at) neugebauer-macht-das.de

Teil 1 hier

Beide Teile in einem Artikel als Download

Michael Neugebauer

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von Daniele Zedda • 18 February