Die zehn schlimmsten Killersätze (mit Gegenrezepten) – Teil 1

Es sind nicht immer die großen Vorwürfe und Gemeinheiten, die einen Konflikt eskalieren lassen. Kurze und knappe Killersätze, manchmal als Frage getarnt, machen den Gegner entweder sprachlos oder erst so richtig wütend. Die zehn explosivsten Beispiele, mit Tipps zur Entschärfung.

  1. Was hast du dir dabei gedacht?

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Du hast dir gar nichts dabei gedacht, du bist einfach zu blöd.

Was der Gesprächskiller übersieht: Kein Mensch handelt bewusst unlogisch. Jeder hat für sich genommen gute Gründe, so aufzutreten und zu handeln, wie er das tut – auch wenn das für andere im ersten Moment nicht nachvollziehbar sein mag.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich die eigenen Beweggründe erläutern.

  1. Wie kann man nur so sein?

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Ich verstehe dich nicht. Ich fühle mich unwohl und verunsichert. Ich möchte, dass du anders bist.

Was der Gesprächskiller übersieht: Jede Eigenschaft und jedes Verhalten hat zwei Seiten, eine helle und eine dunkle. Was ist noch ehrlich, was ist schon verletzend? Wo hört Beharrlichkeit auf, wo fängt Sturheit an? Das ist eine Frage des Blickwinkels.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich nachfragen: Was meinst du damit? Was genau stört dich? Was wünschst du dir von mir?

  1. Sei doch nicht so.

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Spring über deinen Schatten, auch wenn ich dich verletzt haben sollte oder überfordere.

Was der Gesprächskiller übersieht: Jeder Mensch hat grundsätzlich das Recht, so zu sein, wie er oder sie das will. Er hat ein Recht darauf, seinen Stimmungen entsprechend zu leben und seine Grenzen zu setzen.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich um Respekt für die eigene Stimmung oder Haltung bitten. Eine genauere Erklärung dazu ist nicht notwendig und könnte eher wie eine Entschuldigung wirken.

  1. Warum bist du so gereizt?

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Miese Stimmung hier deinetwegen.

Was der Gesprächskiller übersieht: Wer dem Gegenüber Gereiztheit unterstellt, ist meist selber dünnhäutig. Auf die Unterstellung reagiert das Gegenüber dann tatsächlich gereizt, und die Täuschung ist perfekt.

Wie die Entschärfung funktioniert: Einatmen. Ausatmen. Dann freundlich nachfragen: Wieso denkst du, dass ich gereizt bin? Wie geht es dir gerade? Was wünschst du dir von mir?

  1. Das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand.

Was der Gesprächskiller eigentlich sagen will: Ich bin das Volk.

Was der Gesprächskiller übersieht: Was gesunder Menschenverstand ist, hängt vom eigenen Gesundheitsempfinden ab. Das eigene Empfinden muss nicht im Einklang mit Fakten stehen.

Wie die Entschärfung funktioniert: Drei Möglichkeiten. Möglichkeit 1: Sich unauffällig entfernen und ein neues Zuhause außerhalb von Sachsen suchen. Möglichkeit 2: Die eigene Filterblase verlassen und bei nächster Gelegenheit mal den Flugzeugpiloten fragen, welche psychoaktiven Substanzen heute auf Geheiß der Bundesregierung über Deutschland versprüht werden. Möglichkeit 3: Einatmen. Ausatmen.  Rausgehen. Die Diskussion später fortsetzen, falls eine konstruktive Verständigung denkbar erscheint.

Teil 2 hier.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit Killersätzen gemacht? Freue mich auf Nachricht an info (at) neugebauer-macht-das.de

Michael Neugebauer

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von Daniele Zedda • 18 February