Da fällt dir nichts mehr ein

In hitzigen Debatten dauert es meist nicht lange, bis einer komplett die Nerven verliert und verbal zum atomaren Erstschlag ausholt: „Das geht gar nicht“, schießt er raus, oder „so haben wir das ja noch nie gemacht“ oder „was glaubst du, wer du bist“. Das alles sind emotional hoch angereicherte Killersätze, die das Ziel haben, den Gegner platt zu machen. Und die sich mit Geschick entschärfen lassen.

In meinen Kommunikationstrainings frage ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gelegentlich nach Sätzen, von denen sie sich bei Streitereien erschlagen gefühlt haben. Was dann zusammenkommt, verblüfft mich immer wieder. „So haben wir das noch nie gemacht“ ist der Klassiker, aber daneben steht eine bemerkenswerte Vielfalt an Rücksichtslosigkeit, Gemeinheit und Brutalität:

 

„Du gibst dir nie richtig Mühe.“ – „Lass es einfach.“ – „Das stimmt bei dir nie richtig.“ – „Reg dich ab.“ – „Das schaffst du sowieso nicht.“

So wuchtig und verletzend solche Sätze auf den Empfänger wirken mögen, so wirksam sind fünf Tipps zur Auflösung der Schockstarre und zur Abrüstung.

Tipp 1

Zum Selbstschutz: Atmen Sie kurz durch und machen Sie sich deutlich, was der Absender mit seinem Angriff von sich selbst zu erkennen gibt. Killersätze sind im Kern nichts anderes als Ausdruck von tiefer Verzweiflung, von Überforderung oder Angst.

Tipp 2

Widerstehen Sie dem Reflex, aus Betroffenheit heraus beleidigt zu reagieren und sich zu verteidigen oder gereizt zum Gegenschlag auszuholen. Am Ende eines emotionalen Schlagabtauschs steht niemals eine konstruktive Lösung.

Tipp 3

Wechseln Sie von der emotionalen Ebene auf die rationale Ebene und fragen Sie Ihr Gegenüber gleichermaßen freundlich und ernsthaft: Was meinst du? Was genau stört dich? Wie kommst du zu deiner Einschätzung?

Tipp 4

Nutzen Sie das Prinzip der japanischen Kampfkunst Aikido: Nehmen Sie die Energie des Angriffs auf und lenken Sie diese Energie in eine von Ihnen gewünschte Richtung. Die Reaktion auf den Satz „das geht ja gar nicht“ könnte entsprechend sein: „Ich weiß, dass wir in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die neue Technik hilft uns aus meiner Sicht genau an der Stelle, an der wir letztes Mal steckengeblieben sind.“

Tipp 5

Entwaffnen Sie Ihr Gegenüber mit Humor. Ein gutes Beispiel dafür sind die Social-Media-Aktivitäten ist die Kampagne des Berliner Verkehrsunternehmens BVG, in der es um Beschwerden und Beleidigungen von Kunden geht.

Im Übrigen gilt Tipp 1 – und im schlimmsten Fall die Empfehlung: Einfach mal die Klappe halten und abwarten, was weiter passiert. Manchmal verzieht sich der Pulverdampf ganz ohne eigenes Zutun.

Michael Neugebauer

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Anmerkungen zu meinen Texten sind willkommen. Kommentare werden erst dann veröffentlicht, wenn ich sie freigebe. Mit Widerspruch zu meiner Meinung habe ich kein Problem, mit persönlichen Angriffen schon.

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von Daniele Zedda • 18 February